© photo: CB.e Clausecker | Bingel AG, TAUCHER

Auftraggeber CB.e Clausecker | Bingel AG – Agentur für Kommunikation
Taucher Klangkonzept, Mischung
Credits Musikkomposition: Enis Rotthoff, Ensemble: Filmorchester Babelsberg, Visuals: m box

100 Jahre Fresenius

Frankfurter Festhalle

Frankfurt am Main (DE) · 2012

Der Pharmakonzern Fresenius feierte sein hundertjähriges Firmenjubiläum in der Festhalle Frankfurt. Rund 1.200 Gäste nahmen an der Feier teil. Als Höhepunkt des Festaktes wurde die Unternehmensgeschichte mittels einer großformatigen 360°-Show nachgezeichnet. Wir hatten das Vergnügen, die Musik und die Soundeffekte im Raum zu choreografieren und die Tonmischung für insgesamt 180 Lautsprecher mit Hilfe akustischer Holographie durchzuführen.

Die besondere Herausforderung war die Entwicklung einer Klangszenografie, die jedem Gast ein räumlich ausgewogenes Hörerlebnis zu bieten vermochte. Das Problem bestand in den physikalischen Gegebenheiten bezüglich der Akustik dieses riesigen Auditoriums. Ein Paukenschlag benötigt aufgrund des Durchmessers von 60 Metern viel Zeit, um einen Sitzplatz auf der gegenüberliegenden Seite der Leinwand zu erreichen. Jedoch nur sehr wenig Zeit, um den nächstgelegenen Sitzplatz zu erreichen. Musikalisch macht das einen Unterschied von etwa einem Viertelschlag aus. Dazu kommt die lang nachklingende Raumakustik der riesigen Festhalle. Die Gefahr war: Ein chaotisches Klangerlebnis, welches für eine Vielzahl der Tische kaum Sinn ergeben würde.

Diese Schwierigkeiten waren nicht nur technisch zu lösen, sondern erforderten auch, kompositorische und gestalterische Fragen in einem Gesamtkonzept zu vereinen, das auch die örtlichen Gegebenheiten künstlerisch einbeziehen musste. Entscheidend waren zunächst die Anforderungen an die Komposition. Sie sollte ein ruhiges, getragenes Tempo haben und mit rhythmisch weichen Instrumenten, zum Beispiel Streichern, besetzt sein. Bei der Mischung haben wir jedes Instrument einzeln in die Hand genommen, um die Raumchoreographie im Zusammenspiel mit den Bildern zu erarbeiten. Dazu wurden die Instrumente zuvor im Studio sehr nah und praktisch ohne Raumhall aufgenommen. Wo sonst bei einem Orchesterwerk am Ende ein künstlicher Nachhall hinzugefügt wird, haben wir ausschließlich die originale Raumakustik der Festhalle genutzt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns der Beginn der Aufführung. Das Babelsberger Filmorchester beginnt live zu spielen, original und unplugged. Die ersten Töne kommen direkt von der Bühne – und sind tatsächlich nur für die Tische in unmittelbarer Nähe zu hören. Dann übernimmt fast unmerklich die Musik, die zuvor in der Scoring Stage mit dem Babelsberger Filmorchester aufgenommen und bei uns im 3D Audio Studio abgemischt wurde. Begleitet von großformatigen Bildern ist die Aufmerksamkeit des Publikums zunächst ganz auf das Orchester gerichtet, während sich der Orchesterklang geschmeidig nach oben auf die Leinwand ausdehnt, um dann mit großer Geste das gesamte Publikum zu umarmen und in die Bilder der Zeitreise eintauchen zu lassen.